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Autoblogger Walther: Kfz-Branche im Dörnröschenschlaf

Oliver Walther hätte wahrscheinlich nichts dagegen, wenn man ihn als Kfz-Verrückten beschreiben würde. Schließlich bezeichnet er sich auf seinem Blog www.der-auto-blogger.de selbst als „autoverstrahlt“. Kaum zu glauben, das der PS-Mann aus Unna seinen ebenso leidenschaftlich wie fachkundig betriebenen Blog neben seinem – der Autobranche fernen –  Job betreibt. brandiz lässt den Alpha-Blogger der PS-Szene Auskunft geben über den eigenen Antrieb, die Qualität der Corporate Blogs innerhalb der Autowelt sowie über die lieben Journalisten-Kollegen.

Herr Walther, beschreiben Sie kurz Ihren Blog: Was macht ihn aus Ihrer Sicht so besonders?

Nun, der Blog http://der-auto-blogger.de ist quasi das Werk eines Spätberufenen. Auch wenn ich bereits seit 2004 blogge und als gelernter Kfz-Mechaniker und Automobilkaufmann alle Facetten der Autobranche kenne, ist mir erst 2013 die Idee eines Autoblogs gekommen.
Als Familienvater und Motorsportler versuche ich im Blog eine größere Bandbreite abzubilden. Zum einen Artikel über Familienautos und Autos für jedermann, und zum anderen die Berichterstattung über diverse Rennserien, die zum Beispiel auf der Nürburgring-Nordschleife oder anderen Rennstrecken stattfinden. Dabei sind Autos meine Leidenschaft und der Antrieb für den Blog sowie die Motivation, Reisestress und anderes hinzunehmen.

Mit welchem Beitrag Ihres Blogs verbinden Sie ganz persönlich am meisten?

Den Test des Volvo V60 D4 Oceanrace. Als Familienmensch ist mir die Sicherheit meiner Familie sehr wichtig. Der Volvo überzeugte sowohl mich als auch meinen stärksten Kritiker, meine hübsche Frau, auf Anhieb. Darüber hinaus konnten wir mit dem Auto tolle Fahrten und erholsame Stunden in Holland verbringen.

Genauso viel Freude, auch wenn er aus einem komplett anderem Fahrzeugsegment kommt, machte mir ein kompakter Sportler aus Frankreich. Der Renault Megane Coupé RS ist einer der ehrlichsten und sportlichsten Hothatch’s, die für kleines Geld zu haben sind. Ein Out-of-the-box Racer mit allem, was man sich als Sportfahrer wünscht. Welche Leidenschaften dieser Wagen erweckt hat, ist im Artikel zu spüren.

Häufig werden Blogs mit viel Enthusiasmus gestartet und verebben dann wieder. Wie war es bei Ihnen: Weitermachen oder aufhören? Haben Sie sich diese Frage schon mal gestellt?

Nein! Die Frage habe ich mir noch nie gestellt. Okay, manchmal muss das Engagement etwas runtergefahren und gebremst werden. Aber den Blog aufzugeben, ist keine Alternative. Hier stecken einfach zu viele schöne Erinnerungen, Arbeit und Herzblut drin, um dieses Baby aufzugeben.

Wie vermarkten Sie sich und Ihren Blog?

Eher schlecht als recht. Mit Google Adsense und einigen anderen Möglichkeiten versuche ich die Kosten, die der Blog verursacht, wieder reinzuholen. Feste Werbepartner sind leider Mangelware und so ist der Gedanke, vom Blog zu leben, eine Träumerei.

Womit verdienen Sie Ihr Geld?

Als Angestellter gehe ich einem geregelten Job, leider fern der Autobranche, nach. Gerne dürfen mich potentielle Arbeitgeber hierzu kontaktieren…

Ihre Einschätzung: Was halten Sie von den Blogs der Autobranche?

Schwierig, hier eine verbindliche Aussage zu treffen. Die Corporate Blogs profitieren zum einen natürlich von ihrer Nähe zum Hersteller und der Popularität der Marke. Einige gehen mit einer großen Bandbreite an Themen auf die Leser zu, andere pressen die 99te Pressemeldung auch auf diesem Weg durch. Wieder andere lassen regelmäßig Fachblogger zu Wort kommen, verwässern dies aber durch Artikel von absolut themenfremden Bloggern. Leider ist das Ziel hier seltener die Fachinformation als die breite Medienwirksamkeit. Technische Fakten gehen dabei oft unter und flauschige Lifestyle-Storys sollen Geschmack auf das Modell und die Marke machen.

Wie unsinnig dieser Ansatz ist, zeigt gerade Dieselgate rund um den VW Konzern. Hier zählen auf einmal die nüchternen Zahlen, die Verdienste und das Image des Konzerns verpuffen im durch Medien und zweifelhafte Behörden entfachten Entrüstungssturm. Dabei kann man die Käufer, die ihren VW aufgrund der Menge des CO2-Ausstoßes erworben haben, wohl an fünf Händen abzählen. Um auf die Frage zurück zu kommen, was macht dann mehr Sinn: mit Fachbloggern oder Bügeleisen- und Maggiebloggern zusammen zu arbeiten?

Ignoranz oder Umarmung – wie reagieren Fachöffentlichkeit und Unternehmen auf Ihren Blog?

Unternehmen nehmen meinen Blog schon wahr. Interessanterweise kommen einige Hersteller, quasi als Feedback auf geschriebene Artikel, auf mich zu, während andere akquiriert werden möchten. Dabei reagieren einige sehr interessiert, andere verfallen in eine Art Wachkoma und reagieren nur auf Interaktionen. Wieder andere dagegen ignorieren meinen Blog komplett, arbeiten aber dafür mit anderen Bloggern eng zusammen.

Fachöffentlichkeit? Wenn damit die Fachpresse, vorzugsweise aus dem Printbereich, gemeint ist, dann dominiert hier eine nach außen getragene Ignoranz. Man trifft Mitarbeiter und vermeintliche Fachjournalisten auf gemeinsamen Events und wird dort dann vollends ignoriert. Die Art und Weise würde Bücher füllen. Trotzdem findet man dann den oder anderen Groll gegen Autoblogger in diversen Artikeln wieder. Ich glaube, vielen der ergrauten „Fachjournalisten“ ist die Leidenschaft der Autoblogger unheimlich.

Die Kfz-Branche selbst, damit meine ich den Handel nebst Service und Reparatur, steckt noch in einem gewissen Dornröschenschlaf, wenn es um Blogger-Relations geht. Allerdings sind hier einige Verbände dabei, diese Defizite aufzuholen und die Betriebe wachzurütteln. In meinem Umfeld hatte ich dazu bereits einige Gespräche mit Autohäusern, wobei diese auf das Engagement der Hersteller warten.

Ihr Blog ist fest in der PS-Szene verwurzelt. Trotzdem muss sich Ihr Blog weiter entwickeln. In welche Richtung?

Ich glaube, jeder stellt fest, dass das geschriebene Wort durch Audio- und Videobeiträge bedrängt wird. Gerade in meiner Branche wimmelt es von Kollegen, die ihre Artikel entweder komplett viral aufbauen oder die Texte mit kurzen Videos untermauern.
Ich sehe es als Aufgabe, meinen Blog entsprechend aufzustellen. Die Organisation von Know how und Equipment zählt hier dazu.

Thematisch möchte ich mich dabei nicht festlegen. Neue Antriebstechnologien und der Einsatz von alternativen Kraftstoffen, wie zum Beispiel der Brennstoffzelle, lassen da viel Luft nach oben.

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