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„Wir suchen jetzt noch den deutschen Kevin Spacey“

Wo immer ein Thema am Horizont auftaucht, ist eine Branchenveranstaltung dazu meist nicht allzu weit. Insofern ist es eigentlich erstaunlich, dass hierzulande  jetzt erst die ersten größeren Events zum Thema Content Marketing über die Bühne gehen – immerhin debattieren die Experte ja schon rund drei Jahre darüber. Dramaturgisch etwas unglücklich sind es nun gleich zwei Veranstaltungen binnen weniger Tage: die Content World am 12./13. Oktober in Frankfurt/Main und Content Marketing am 20. und 21. Oktober in Köln. Das letztgenannte Event wird von dem Fachblatt Horizont veranstaltet. Widmen wir uns hier der Content World, auf der der Content Marketing Preis vergeben wird. In Amerika ist die Verleihung der Content Marketing Awards vergleichsweise spektakulär. Wie die Premiere in Deutschland verläuft, erklärt Christian Thunig, Chefredakteur der Absatzwirtschaft. Der Monatstitel ist Mitveranstalter des Events.Thunig ist seit Mai dieses Jahres Chefredakteur des Monatstitels, der Redaktion gehört er seit 2000 an.

Herr Thunig, die Verleihung der Content Marketing Awards  in Amerika ist eine große Sause. Da kommt schon mal Hollywood-Star Kevin Spacey als Keynote-Speaker. Geht’s bei Ihnen ähnlich glamourös zu?

Wir suchen noch den deutschen Kevin Spacey ;-). Aber im Ernst: Glamour ist nicht unwichtig für die Content World, aber im ersten Jahr stehen vor allen Dingen die Qualität der Bewerbungen und die Hochwertigkeit der Kampagnen sowie Innovation- und Inspirationswerte für unsere Teilnehmer im Zentrum. Wir wollen die Créme de la Créme der deutschen Content Marketing-Wertschöpfungskette finden und zelebrieren.

Der „Deutsche Content Marketing Preis“ wird dieses Jahr erstmals vergeben. Ist eine Fortsetzung im kommenden Jahr schon sicher?

Ja sicher, der Preis ist langfristig angelegt, so wie auch Content Marketing langfristig angelegt sein muss. Wir sind die einzigen und ersten, die im deutschsprachigen Raum auf diese Idee gekommen sind und wir machen es deshalb, weil wir an das Thema auch in seiner strategischen Dimension glauben.

Content Marketing definieren Sie als „die gezielte Nutzung von zielgruppenspezifischen Inhalten zur Erreichung unternehmensspezifischer Ziele“. Fällt da die Doppelseite im Stern und der TV-Spot auf RTL nicht auch darunter?

Da müssen wir wahrhaftig bleiben: Am Ende wollen Unternehmen Menschen erreichen und zu Kunden machen. Natürlich dient Content Marketing der Zielgruppenerreichung. Und Werbung sowie Content Marketing sind wiederum Teil des strategischen Marketings. Der große Unterschied zur Werbung ist allerdings, dass beim Content Marketing idealerweise mehrwertschaffende Inhalte im Zentrum stehen, welche die Nutzer aus Interesse beziehen wollen. Content Marketing kann daher zu einem völlig neuen Denkansatz in der Kommunikationsstrategie von Unternehmen führen.

Sprechen Sie der Werbung diese „mehrwertschaffenden Inhalte“ überwiegend ab?

Entscheidend ist der Nachsatz: Es geht beim Content Marketing um den Pull-Mechanismus. Damit unterscheidet es sich in der Wirkungsweise grundlegend von der klassischen Werbung.

Beim „Deutschen Content Marketing Preis“ können allein die Unternehmen einreichen, nicht die Agenturen. Warum?

Agenturen dürfen gerne im Tandem mit Unternehmen einreichen. Was nur nicht möglich ist, sind Agenturen, die ohne Kundenauftrag agieren. Agenturwettbewerbe gibt es zudem zuhauf. Da müssen wir keinen weiteren hinzufügen.

Wie viele bzw. welche Unternehmen haben bisher für den Award eingereicht?

Wir sind gerade gestartet, haben aber schon Zusagen von rund einem dutzend Unternehmen, die sich bewerben werden beziehungsweise schon ihre Unterlagen eingereicht haben.

Den klassischen Medien laufen mehrheitlich die Nutzer weg. Unternehmen wollen Sie mit ihren Content Marketing-Ideen bei sich aufnehmen. Was können Unternehmen evtl. besser als die klassischen Medien?

Wir beobachten – dazu hat die Absatzwirtschaft auch vor rund drei Jahren eine Geschichte gemacht -, dass Unternehmen selber zu Medienhäusern werden. Das hat mit sinkenden Markteintrittsbarrieren in die Medienbranche zu tun, dem Wunsch der Unternehmen Botschaften selbst steuern zu können und der Relation von PR-Beratern zu Journalisten. Man schätzt, dass auf einen Journalisten mittlerweile zwei PR-Berater kommen. Im Zweifel dünnen sich auch zukünftig Redaktionen noch weiter aus. Damit wird der Zugang in die Medien immer mühevoller. Auf der anderen Seite hat das Internet zu einer Demokratisierung der publizistischen Leistung geführt. Das bedeutet, dass Leser gut gemachten und relevanten Content schätzen, egal wer dessen Absender ist. Viele Unternehmen können daher mit ihren Inhalten Lücken schließen, die von klassischen Medien nicht (mehr) besetzt werden.

Welche Content Marketing-Kampagne – ob aus dem Aus- oder Inland – halten Sie persönlich für besonders gelungen?

Das können Sie am 12. Oktober in fünf Kategorien erfahren 🙂

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