Klein, aber oho: Wie Mittelständler sich über Corporate Blogs profilieren

Pfiffig gemachte Blogs wie der Nussblog von Jalall D'or sind im deutschen Mittelstand selten. Viele Mittelständler erkennen das Potential eines Corporate Blogs für Marketing und Kommunikation nicht.

Pfiffig gemachte Blogs wie der Nussblog von Jalall D’or sind im deutschen Mittelstand selten. Viele Mittelständler erkennen das Potential eines Corporate Blogs für Marketing und Kommunikation nicht.

Die Corporate-Blog-Szene der kleinen und mittelständischen Unternehmen ist sehr überschaubar. Dabei zeigen exzellente Blog-Beispiele, wie gerade der Mittelstand zeitgemäß Inhalte aufbereiten, mehr Umsatz machen und auch noch Geld sparen kann.

Unterkrumbach. Klingt nach Provinz, ist Provinz. Das Dorf im Nürnberger Land hat laut seiner Homepage derzeit 132 Einwohner. Seit 1988 ist Unterkrumbach Sitz der Manufaktur „Die Möbelmacher“, hinter der die Geschäftsführer Herwig Danzer und Gunther Munzenberg stehen. „Die Möbelmacher“ produzieren Möbel aus Massivholz, vorzugsweise ganze Küchen, edel, teuer, aber auch ökologisch korrekt und nachhaltig mit Holz, das ausschließlich in der Region geschlagen wird. Sogar Kunden aus Berlin oder Hamburg programmieren ihr Navi Richtung Unterkrumbach, um mit den Möbelmachern ihre Traumküche Wirklichkeit werden zu lassen. Viele reisen schon mit genauen Vorstellungen an, weil sie sich zuvor auf dem Blog der Möbelmacher schlau gemacht haben, der unter einer Domain firmiert, nach dem sich viele die Finger lecken: http://www.nachhaltigkeitsblog.de/ Seit 2005 existiert der Corporate Blog, Avantgarde aus Franken also. „Vorher haben wir ein Jahrbuch heraus gegeben. Über den Blog können wir wöchentlich und täglich über unsere Arbeit berichten“, erklärt Herwig Danzer die Vorteile.

Herwig Danzer: Der Marketingchef "Der Möbelmacher" ist einer der wenigen Mittelständler mit langjähriger Bloggerfahrung: Der Blog www.nachhaltigkeitsblog existiert seit 2005.

Herwig Danzer: Der Marketingchef „Der Möbelmacher“ ist Pionier und bloggt seit 2005.

540 Kilometer von Unterkrumbach entfernt stehen Dorothea Linnenbrink und ihr Mann Jalalledin auf dem weithin bekannten Wochenmarkt im westfälischen Münster und verkaufen auf ihrem Stand Trockenfrüchte und Nüsse aus aller Welt. Bei Jalall D‘or, wie das Geschäft heißt, geht es ähnlich wie bei den Möbelmachern nicht allein um den schnöden Mammon, es steht eine Idee hinter dem Business. Über den Verkauf exotischer Waren wollen Dorothea und ihr aus dem Iran stammender Mann den bodenständigen, aber auch etwas sturen Westfalen fremde Kulturen näher bringen. „Das Brückenschlagen gehört zu unserer Philosophie“, sagt die diplomierte Geographin. Das spiegelt der www.jalalldor.de/nussblog/ wieder, der Bestandteil des seit 2010 bestehenden Onlineshops Jalall D’or ist. Dort geht es nicht nur um neue Rezepte und Lebensmittel, sondern auch schon mal um ausländische Künstler oder das Erklären des persischen Neujahrsfestes.

Zwei Unternehmen, die mit ihren hervorragenden Corporate Blogs beweisen, dass sich der deutsche Mittelstand das Internet im Allgemeinen und Blogs im Speziellen erobert hat – könnte man glauben. Tatsächlich sind Nuss- und Nachhaltigkeitsblog in ihren Branchen Ausnahme-Erscheinungen, fast Solitäre, denn die Blogszene der Kleinunternehmer und Mittelständler gleicht eher der iranischen Salzwüste Dascht-e Kawir als einer fränkischen Blumenwiese. „Im Bezug auf unsere direkten Konkurrenten sind wir allein auf weiter Flur“, berichtet auch Lara Albrecht von dem Offenbacher Reiseunternehmen Dein Bus, das den flott gemachten Corporate Blog blog.deinbus.de unterhält.

Zwar hat die überragende Anzahl der kleinen und mittelständischen Unternehmen, kurz KMU, inzwischen eine Präsenz im Web, doch die begrenzte Zahl der Blogs aus diesem Bereich erkennt man schon daran, dass immer wieder die selben Referenzbeispiele – Saftblog, Kaffee-Satz etc. – heranzitiert werden. Woran das liegt? Zwei Faktoren dürften entscheidend sein: Zeit und fehlendes Wissen. „Der Blog macht eine Schweinearbeit“, erklärt Möbelmacher Danzer anschaulich. Kompetente Texte schreiben, Videos drehen und in den Blog einpflegen, für die Verbreitung der Inhalte über den Blog hinaus sorgen – das alles kostet Zeit. Auf acht bis zehn Stunden in der Woche schätzt Dorothea Linnenbrink, die von einer weiteren Autorin unterstützt wird, die Pflege ihres Corporate Blogs.

Blogger-Duo: Dorothea und ihr Mann Jalalledin betreiben nicht nur einen Stand auf dem Münsteraner Wochenmarkt, sondern auch den Nussblog.

Blogger-Duo: Dorothea Linnenbrink und ihr Mann Jalalledin betreiben nicht nur einen Stand auf dem Münsteraner Wochenmarkt, sondern auch den Nussblog.

Nicht weniger schwer wirkt sich fehlendes Wissen aus. Einen Blog auf WordPress-Basis einrichten (oder einrichten lassen), mit SEO und Content-Distribution hantieren, lässt sich für den Hausgebrauch lernen. Sich schriftlich nicht nur korrekt auszudrücken, sondern auch Geschichten zu erzählen, komplexe Sachverhalte wiederzugeben, ist ungleich schwerer, zumal die Fähigkeiten vieler Handwerker und kleiner Gewerbetreibender auf ganz anderen Gebieten liegen. Warum sich also zum mühseligen Daily Business noch einen Corporate Blog aufschnallen? Worin besteht der Nutzen fürs ohnehin mühselige Geschäft?

Hier ein paar Vorteile des Mediums Corporate Blog für Mittelständler:

Werben Werbung mit klassischen Medien wie Tageszeitung oder Plakat ist für Mittelständler vergleichsweise teuer, TV-Werbung zumeist unerschwinglich. Zudem bergen sie, wenn es sich nicht um Fachmedien handelt, die Gefahr hoher Streuverluste. Auch das Herstellen, Drucken und Vertreiben von Flyern, Broschüren und Katalogen kostet viel Geld. Die Investitionen in den Aufbau eines Corporate Blogs sind hingegen überschaubar, die finanziellen Aufwendungen für die Aktualisierung und Pflege lassen sich, abgesehen von der investierten Arbeitszeit, niedrig halten. Größter Vorteil eines Blogs: Durch den Aufbau relevanter Inhalte und das Einhalten der wichtigsten SEO-Regeln landet man im Google-Ranking auf den vorderen Plätzen – eine bessere Werbung gibt es nicht, zumindest nicht online.

Produkte und Dienstleistungen erklären Viele Mittelständler stellen hochkomplexe Produkte her, die man erst einmal erklären muss. Da bietet ein Corporate Blogs nicht nur theoretisch unbegrenzten Raum, sondern auch alle Vorteile eines digitalen Mediums: bewegte Bilder, Skizzen, Grundrisse, Tabellen, Statistiken, Animationen oder Links zu weiteren Inhalten. „Ausführlichere Inhalte und Stories sind möglich“, erklärt Lara Albrecht von Bus.de. So kann sich ein Unternehmen in all seinen Facetten darstellen – auch abseits des Kerngeschäfts. Hinwesie von gemeinnützigem Engagement oder auf kulturelle Aktivitäten können ebenso Teil eines Corporate Blogs sein wie die Beschreibung des eigenen Berufsalltags.

Ehrlich und authentisch sein Das Internet ist ein Markt der Möglichkeiten, aber auch ein Dschungel. Wer steht hinter der Website? Wer sind die Betreiber? „Die Leute wollen gerade bei Lebensmitteln wissen, wer dahinter steckt“, weiß Dorothea Linnenbrink von Jalall D’or. Auf einem Corporate Blog kann man die Geschichte hinter der Geschichte erzählen, den Handelnden ein Gesicht geben, „aus dem Nähkästchen plaudern“, wie Lara Albrecht ergänzt. Das schafft Vertrauen, Sympathie, ein gewisse Nähe. Dazu gehört aber nicht nur ein Talent zum Storytelling, sondern auch der Mut, sich so authentisch wie möglich zu geben – abseits von Werbesprech und Marketing-Phrasologie.

Kunden besser kennenlernen und Dialoge führen Wer die richtigen Inhalte auf seinem Corporate Blog platziert, bekommt Resonanz in Form von Kommentaren. Dies kann nicht nur der erste Anknüpfungspunkt für eine Beratung sein, der Betreiber erfährt auch einiges über die Wünsche und Bedürfnisse seiner Kunden. Die systematische Auswertung von Postings kann zu erhellenden Erkenntnissen über den Kunden, das bislang unbekannte Wesen, führen und am Ende zu Produkten, die noch besser seinen Wünschen entsprechen.

Mehr Umsatz machen Ein Corporate Blog ist kein Onlineshop, kann aber unmittelbar zu mehr Klicks in ihm führen. Deinbus.de stellt regelmäßig interessante Reiseziele vor, der Klick zur Buchungsmaske für eine Busfahrt dorthin ist nicht weit. Auf dem Nussblog erscheinen regelmäßig leckere Rezepte für mehr oder minder exotische Speisen – die Zutaten dazu kann man auf Jallal D’or gleich einkaufen. Je mehr interessante Inhalte den Blog befüllen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass auf der Homepage geshoppt wird.

Inhalte verteilen Ein Corporate Blog funktioniert nur als Teil einer umfassenden Digitalstrategie. Lara Albrecht von DeinBus: „Unsere Social Media Kanäle gehen Hand in Hand mit unserem Blog: Social Media teasert an, der Blog erzählt. Ähnlich verhält sich die Beziehung zur PR: Pressemitteilungen sind seriös, informativ und beschränken sich auf’s Wesentliche. Der Blog hingegen bietet ein gewisses Look & Feel.“ RSS-Dienste und Newsletter tun ein Übriges zum Verteilen der auf dem Blog aggregierten Inhalte.

Funktioniert ein Corporate Blog technisch wie inhaltlich, kann sich der Betreiber freuen. Über den Traffic beispielsweise. „Wir haben täglich zwischen 200 bis 500 Besucher“, berichtet Herwig Danzer vom Nachhaltigkeitsblog. Die Öffnungsrate seines Newsletters liegt bei sensationellen 25 bis 30 Prozent. Man muss nicht unbedingt nach Unterkrumbach fahren, um etwas über „Die Möbelmacher“ zu erfahren.

 

 

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