brandiz-Umfrage: Wie organisieren Unternehmen den Content-Vertrieb?

Der tollste Text nützt nichts, wenn er nicht gelesen wird, das schönste Bild nichts, wenn es nicht gesehen wird: Angesichts der täglich wachsenden Content-Berge wird die Frage immer wichtiger, ob der Corporate Blog seine Leser wirkllich erreicht. Oder ob er in den virtuellen Weiten des Internet unbemerkt untergeht. Brandiz hat sich unter führenden Corporate Bloggern umgehört, wie sie die sogenannte Content Distribution managen.Dass die Bedeutung der Content Distribution allgemein unterschätzt wird, geht auch aus einer Untersuchung hervor, die der Marktforschungskonzern Forrester Research vor kurzem durchgeführte. Darin stellen die Forscher fest, dass die Investments in Branded Content rapide ansteigen, doch dem gezielten Vertrieb der Inhalte zu wenig Beachtung geschenkt wird. Die Folge: Ein beträchtlich hoher Anteil der Investitionen in Content, darunter auch in Corporate Blogs, verpufft und zahlt deswegen auch nicht auf die Marke ein. brandiz wollte deshalb von bloggenden Unternehmen wissen:

1. Welche Rolle spielt bei Ihnen die Content Distribution?
2. Welche Maßnahmen ergreifen Sie, damit der Content auch die richtige Zielgruppe erreicht?
3. Wie ist bei Ihnen das Thema Content-Vertrieb organisiert?

 

Andreas Kurth, Leiter Digital Media Management, TUI:
„Wir nutzen die Netzwerke unserer Testimonials“

Andreas Kurth, TUI. Foto: Unternehmen

Andreas Kurth, TUI. Foto: Unternehmen

1. Content-Distribution ist eines unserer strategischen Themen. Bei TUI spielen hierbei unterschiedliche Verfasser und Kundengruppen eine Rolle. Wichtig ist uns natürlich die Stärkung der Sichtbarkeit unserer eigenen Vertriebskanäle insbesondere die der zentralen Buchungs-Website TUI.com. 

2. Wir unterscheiden bei TUI zwischen redaktionellem- und Produkt-Content. Ersteres bewerben wir heute nicht explizit, aber wir verbinden ihn mit entsprechendem Produktcontent. Außerdem nutzen wir die Netzwerke unserer Testimonials wie zum Beispiel die unserer VIP-Blogger, die diesen Content wiederum via Social Media verbreiten.

3. Bei der TUI wird Produkt-Content maßgeblich zentral produziert und redaktioneller Content dezentral. Wir halten aber jeglichen Content medienneutral für die unterschiedlichen Ausgabekanäle vor und organisieren Content-Botschaften gemäß unserer Marketingkampagnen.

Leonie Blume, Manager Social Media, SMA Solar Technology AG:
„Wir testen die Page Promotion unserer Facebookseite“

1. Für uns steht die sinnvolle Verbreitung unserer Inhalte im Fokus. Dabei gehen wir aber nicht mit der Gießkanne vor. Unser Ziel ist es nicht allein die Fans, Leser-, und Followerzahlen zu steigern, sondern unsere Zielgruppen zu involvieren, mit Ihnen zu interagieren und sie so an unser Unternehmen zu binden. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, zuzuhören und Themen zu posten, die auch nachgefragt werden. So erreichen wir unsere Leser und so wachsen auch unsere Kanäle.

Leonie Blume, SMA Solar Technology AG. Foto: Unternehmen

Leonie Blume, SMA Solar Technology AG. Foto: Unternehmen

2.  Zum Seeding unserer Blogbeiträge nutzen wir sowohl unsere anderen Social Media Kanäle als auch die Website, den Newsletter und Foren. All diese Kommunikationskanäle verstehen wir als Einheit, denn wir kommen zum Leser und bieten ihm verschiedene Möglichkeiten auf unsere Inhalte zu stoßen. Im Zuge dessen spielt auch SEO eine wichtige Rolle, denn in unserem Monitoring sehen wir, dass auch viele Leser direkt über die Googlesuche zu uns stoßen. Uns ist außerdem die Vernetzung mit anderen Multiplikatoren wie Bloggern wichtig, mit denen wir Gastbeiträge teilen, um so möglichst verschiedene Meinungen anzubieten, aus denen sich der Leser dann seine eigene bilden kann. Aktuell testen wir außerdem die Page Promotion unserer internationalen Facebookseite für ausgewählte Länder. Von Gewinnspielen oder dergleichen halten wir dagegen nichts, da uns echte Fans wichtig sind und nicht gekaufte. 

3. Über welchen Kanal wir welches Thema spielen, entscheiden wir im Social Media Team, das in der Unternehmenskommunikation aufgehangen ist. Je nach Zielgruppe, Land und Thema überlegen wir uns, ob wir das jeweilige Thema eher ausführlich über den Blog, mit bewegten Bildern über YouTube, als Newslink via Twitter oder z.B. als Infografik oder Foto über Facebook spielen. Dabei sind wir in enger Abstimmung mit unseren Kollegen in der PR-Abteilung, der internen Kommunikation, dem Marketing, Vertrieb und Service bzw. in den Niederlassungen.

 

Klemens Surmann, Presse und Unternehmenskommunikation,
Gothaer Finanzholding AG:
„Wir sehen das Thema im Anfangsstadium“


1. Mit zunehmender Bedeutung der sozialen Netzwerke bekommt auch das Thema Content Distribution einen deutlich höheren Stellenwert. Durch den Start unseres Blogs
gothaer2know tragen wir dieser wachsenden Bedeutung Rechnung. Durch die Generierung eigenen Contents und dessen gezielter Verbreitung sind wir hier gut für künftige Herausforderungen gerüstet.  

Klemens Surmann, Gothaer. Foto: Unternehmen

 

2. Gemeinsam mit externen Dienstleistern entwickeln wir Content, der für unsere Zielgruppen interessant ist, Über gezielte Anzeigen, die exakt diese Zielgruppen ansprechen, erreichen wir eine effektive Verbreitung dieses Contents ohne große Streuverluste.

3. Das Thema Content Vertrieb ist für Versicherer nur dann interessant, wenn die hoch erklärungsbedürftigen Produkte auf den entsprechenden Plattformen entsprechend dargestellt werden können. Bei einfachen Produkten wie der KFZ-Versicherung gehen wir diesen Weg über Online-Abschlüsse und Online-Rechner. Ansonsten sehen wir das Thema noch sehr im Anfangsstadium.

 

Sandra Coy, Chief Editor Tchibo Blog:
„Ein wichtiges Element sind unsere Bloggerrelations“

1. Eine große. Das Zusammenspiel von Owned, Paid und Earned Media ist sehr wichtig. Da wir bei Tchibo mittlerweile auf den meisten gängigen Social Media Plattformen präsent sind, verlängern wir unsere Bloginhalte in der Regel über Google+ und Twitter, bei ausgewählten Themen auch auf Facebook und Instagram. Somit ist gewährleistet, dass wir bei einer breiten Gruppe von Fans und Multiplikatoren in Erscheinung treten. Ein ganz wichtiges Element sind auch unsere Bloggerrelations. Viele Inhalte spielen wir über diverse Fachblogs, so dass eine breite Streuung auf den relevanten Plattformen vorhanden ist.

 

Sandra Coy, Tchibo. Foto: Unternehmen

Sandra Coy, Tchibo. Foto: Unternehmen

2. Unser Blog performt auch ohne Mediabudget sehr gut. Wie beschrieben beziehen wir Fachblogger (Food, Mode, etc.) mit ein, um zu gewährleisten, dass unsere Inhalte das richtige Publikum finden. Wir stecken viel Zeit in das Beziehungsmanagement von Online-Multiplikatoren – und in qualitativ hochwertige Inhalte, die dem Zielpublikum einen Nutzen bringen. Ferner spielen Linkbuidling, SEO-Maßnahmen und eine stringente Verzahnung unserer Kommunikationskanäle (On- und Offline) eine Rolle.

3. Paid Media alleine funktioniert nicht, wenn man Owned und Earned vernachlässigt. Deswegen setzen wir auf alle relevanten Tchibo Kanäle. Der Austausch findet einmal wöchentlich bereichsübergreifend in einer Redaktionssitzung statt.

 

Philipp Quanz, Assistant Manager Electronic Media, Adam Opel AG:
„Kooperationen mit Automotive-Bloggern“

Als dialogorientierte Plattform für alle Themen rund um Opel liegt der inhaltliche Schwerpunkt auf der Platzierung von Entwickler- und Corporate-Themen, Produktlaunches sowie der viralen Verbreitung von Themen wie beispielsweise unsere neue Kampagne #umparkenimkopf. Unser

Phillipp Quanz, Opel

Phillipp Quanz, Opel. Foto: Unternehmen

Ziel im Opel Blog sind zufriedene, informierte Nutzer, mit denen wir im offenen Austausch über die Opel Welt diskutieren. Um dieses Stimmungsbild einzufangen, haben wir inzwischen eine Distributionsfrequenz von 3-4 Beiträgen pro Woche, die wir zusätzlich über andere soziale Kanäle wie Facebook und Twitter weiterverbreiten. Gleichzeitig betten wir unsere Social Media Kommunikation auch in den Blog ein, um eine stärkere Reichweite zu erzielen, alle Kanäle miteinander zu vernetzen und Synergieeffekte zu fördern. Synergien erzielen wir auch durch die Abstimmung unserer PR-Maßnahmen, in denen der Opel-Blog eine wichtige Rolle spielt. Beispielsweise erweitern wir den thematischen Rahmen von Pressemitteilungen über den Blog mit tiefergehenden Einblicken und weiterführenden Themenschwerpunkten. So wurde beispielsweise zur Umparken-im-Kopf-Kampagnenmitteilung im Blog der Schwerpunkt auf den Social Media Interactive Hub gelegt. Abschließend gehen wir auch Kooperationen mit Automotive-Bloggern ein, um neue Lesergruppen zu erschließen und die Berichterstattung mit anderen Perspektiven auf Opel-Themen anzureichern.

 

Verena Reuber, Social Media Managerin, R+V24:
„Wir setzen auf unsere Social Media Kanäle“

Verena Reuber, R+V24. Foto: Unternehmen

Verena Reuber, R+V24. Foto: Unternehmen

1. Bei unserem Blog spielt die Content-Distribution aktuell noch keine große Rolle. Wir arbeiten mit anderen Automotive-Bloggern zusammen und nehmen an gemeinsam Aktionen, wie beispielsweise den Artikeln aus der Reihe „Blogger für mehr Verkehrssicherheit“ teil, aber sonst haben wir aktuell keine weiteren Maßnahmen im Visier.

2. Generell schauen wir natürlich, über was der Markt spricht und welche Neuigkeiten es rund um das Thema Mobilität gibt. Diese greifen wir auf und schalten uns in die Diskussionen mit ein. Insofern sind solche Nachrichten und Trends oft auch Inspiration für uns. Was das Thema Verteilung anbelangt: Wir setzen bei unserem Blog aktuell auf unsere anderen Social Media Kanäle, schließen aber nicht aus, dass wir uns zukünftig diesbezüglich anders aufstellen werden.

 

Jürgen Christ, Chefredakteur des Lexware-Blogs „Meine Firma und ich“:
„Wichtigste Maßnahme ist die Wahl der Inhalteproduzenten“

1. Eine eher untergeordnete Rolle, was das Blog „Meine Firma und Ich“ und klassische „Content Distribution“ betrifft. Der Content wird exklusiv für das Blog produziert und auch manuell eingepflegt (in „WordPress“). Auf einzelne Beiträge wird bei Facebook (ca. 11.000 Fans) hingewiesen und es gibt im monatlichen Austausch mit der Xing-Gruppe „Meine Firma und Ich“ (ca. 2300 Mitglieder) eine Zusammenfassung der wichtigen Themen und Diskussionen. Im E-Mailnewsletter von Lexware (ca. 200.000 Empfänger) wird zeitweise auch auf einzelne Beiträge hingewiesen. „Content Distribution“ ist mir eher ein Begriff aus der Produkt- und Marketingwelt, in der z.B. über „Crossmedia-Publishing-Systeme“ die selben, vorher autorisierten, Inhalte – wie Produktbeschreibungen und -fotos –  zentral zur Veröffentlichung über diverse Kanäle (online, offline zur Katalogproduktion, Apps etc.) zur Verfügung stehen. Das wäre für das Corporate Blog nach meiner Meinung etwas überdimensioniert. Lediglich beim Thema Bilder- und Bildrechte achten wir bei den jeweiligen Urhebern in Foto-Pools auf die Lizenzrechte und speichern diese direkt im Dateinamen der Fotos ab (siehe auch Urteil vom Landgericht Köln, pixelio.de). Die Einbindung von Links in Blogartikeln verbindet zudem die Blogwelt und das Unternehmerportal von Lexware, in dem meist weiterführende bzw. grundlegende Informationen gespeichert sind, beispielsweise zur Reisekostenreform.

2. Die wichtigste Maßnahme, damit der Content bei „Meine Firma und Ich“ auch die richtige Zielgruppe erreicht, ist nach meiner Ansicht die Wahl der Inhalteproduzenten (klassisch: Blogger, Autoren). Das Blog richtet sich an Freiberufler, kleine Gewerbetreibende und Handwerksbetriebe. Und alle Autoren sind selber viele Jahre selbstständig und wissen, worüber sie schreiben, worüber sie sich freuen oder worüber sie sich ärgern. Wir schauen vor allem auf die Blogkommentare bzw. die Webadresse, die ein Kommentator ggfls. hinterlässt und die so mehr Informationen über den Leser preisgibt. Nach unseren bisherigen Recherchen erreichen wir die angepeilte Zielgruppe zu mindestens 90-95 Prozent.

Jürgen Christ, Haufe-Lexware. Foto: René Marmulla

Jürgen Christ, Haufe-Lexware. Foto: René Marmulla

3. Reine Produktwerbung mit vollmundigem Versprechen funktioniert nicht mehr im Social-Media-Zeitalter. Treue Leser und damit hoffentlich auch Kunden, gewinnt man mit interessanten Inhalten:
„Relevanz, Nützlichkeit und Unterhaltungswert sind daher die drei Postulate des Content Marketings“ wie Melanie Tamblé in ihrem Blog „Marketing-Börse“ schrieb. Wir halten eine Kombination aus PR-, Marketing- und Vertriebsmaßnahmen in Verbindung mit SEO-Techniken für eine solide Basis einer wirkungsvollen Content Marketing Strategie. SEO zählt – neben Recherchen und Artikelproduktion – mit zum festen Redaktionsalltag. Wir setzen dabei vor allem auf die Netzwerke unserer Autoren, die ihre Beiträge selber online bekannt machen. Im Blog bieten wir Weiterempfehlungsfunktionen (Facebook, Twitter, Xing, Google+).

 

Sarah Schneider, Content Marketing, Grünspar GmbH:
„Content entsteht aus täglichen Fragestellungen“

Sarah Schneider, zuständig für das Content Marketing bei der Grünspar GmbH. Foto: Unternehmen

Sarah Schneider, zuständig für das Content Marketing bei der Grünspar GmbH. Foto: Unternehmen

1. Die Distribution und Erstellung von Content ist für uns ein wichtiges Tool um in den Dialog mit unseren Zielgruppen zu treten, unsere Marke als der Experte  in unserem Zielgruppenbereich zu platzieren und Reichweite für unsere Vision „Grünovier die Welt“ zu schaffen. Content ist seit den Anfängen von Grünspar der Hebel, mit dem wir versuchen uns abzusetzen: Transparenz in einem vermeintlich komplizierten Themenbereich.

2. Um die Distribution nach vorne zu tragen, bedienen wir uns in eigenen Netzwerken unserer Kooperationspartner, PR- Agenturen und Portalen, klassischem Blogger- und redaktionellem Outreach, Soziale Medien sowie gezielter Platzierungen im werblichen Bereich.

3. Wir haben keinen klassischen „Content-Vertrieb“. Content entsteht bei uns aus täglichen Fragestellungen, Problemen und echtem Kundenfeedback. Probleme werden in Kampagnen verarbeitet und dann vom Content-Team umgesetzt. Das Seeding wird dann im letzten Schritt aus den beschriebenen Maßnahmen zusammengesetzt. Wir erstellen Content (fast) nie für eine vertriebliche Verwendung.

 

Patrick Moeschler, Social Media Manager, Swisscom AG:
„Wir arbeiten fallweise mit Paid Posts“

Patrick Moeschler, Swisscom Ag. Foto: Unternehmen

Patrick Moeschler, Swisscom AG. Foto: Unternehmen

1. Ein wichtiger Faktor. Vor allem für Medien wie Blogs, die nicht selber einen Verbreitungsmechanismus haben.

2. Auf Facebook arbeiten wir fallweise mit Paid Posts. Für Blogposts nutzen wir vor allem unsere anderen gut besuchten Plattformen wie Facebook oder Twitter, um Traffic auf den Blog zu bringen.

3. Social Media ist im Operativen dezentral organisiert. Die Verantwortlichen stimmen sich über Redaktionsplanungen und gegenseitige Verlinkungen ab.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Bitte lösen Sie folgende Sicherheitsfrage: *