Uni-Arbeit: „Relevanz von Corporate Blogs im Social Media Marketing“

Unternehmen setzen auf Social Media und vernachlässigen dafür ihre Corporate Blogs – zu diesem Ergebnis kommt eine neue wissenschaftliche Arbeit. Doch die Konzentration auf Soziale Netzwerke birgt eine Menge Gefahren – sogar den Verlust der Inhalte.

Posten statt bloggen – so könnte man den Trend der vergangenen Jahre innerhalb der Unternehmenskommunikation beschreiben. Bei oberflächlicher Betrachtung eine durchaus nachvollziehbare Entwicklung, schließlich folgen die Unternehmen nur den Usern, die massenhaft Richtung Facebook & Co gewandert sind. Und sie sparen sich noch eine Menge Arbeit, denn das schnelle Posten auf der firmeneigenen Facebooksite geht leichter von der Hand als das Betreuen eines Blogs mit seiner mühseligen Schreib- und Redigierarbeit. Welche Gefahren die einseitige Konzentration auf Social Media für die Unternehmen birgt, arbeitet jetzt die Untersuchung „Die Relevanz von Corporate Blogs im Social Media Marketing“ (www.tilo-hensel.de/die-relevanz-von-corporate-blogs-im-social-media-marketing) heraus. Verfasst wurde sie von Tilo Hensel, der an der Hochschule der Medien, Stuttgart, Online-Medien-Management studiert.

Wer seine Inhalte auf fremden Plattformen verbreitet, nimmt laut Hensel – oft unbewusst – gravierende Nachteile in Kauf:

  • Er unterwirft sich den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des jeweiligen Anbieters. Der kann bei Regelverstößen nicht nur Inhalte sperren oder ganz entfernen, er bekommt auch häufig Nutzungsrechte am Content des anderen und kann sie bei Bedarf monetarisieren.
  • Bei den Social Networks steht das Corporate Design der Netzwerke und nicht das des Unternehmens im Vordergrund. Zudem müssen die Inhalte einem vorgegebenen Layout angepasst werden oder sich bei der Textmenge – siehe Twitter – Beschränkungen unterwerfen.
  • Beiträge auf Social Network Plattformen richten sich zunächst nur an die Mitglieder der Community und sind für andere nicht zugänglich. Dadurch wird Reichweite verschenkt.
  • Über die Suchmaschine von Facebook lässt sich der Name eines Unternehmens gut finden, nicht aber Inhalte und Themen. So sind Postings über die Suchmaschine aktuell noch nicht auffindbar.

 

Tilo Hensel: Eigener Content gehört auf den Corporate Blog.

Tilo Hensel: Corporate Blog steht im Zentrum.

Die Arbeit ist keineswegs eine Absage an die sozialen Netzwerke, zumal sie wichtige Traffic-Bringer für einen Corporate Blog sein können. Hensel plädiert vielmehr für die intelligente Vernetzung aller Kanäle, wobei der Corporate Blog als „owned medium“ im Zentrum der Aktivitäten stehen sollte. Brandiz sprach mit dem 21jährigen, der zudem als Blogger und Webentwickler aktiv ist.

Herr Hensel, wenn Sie ein Unternehmen hätten, was wäre Ihre bevorzugte Kommunikationsplattform? Facebook oder ein Corporate Blog?

Hensel Das wäre für mich keine Frage des Entweder-Oder. Ich würde überlegen, wie man die verschiedenen Social Media-Plattformen so miteinander kombinieren kann, dass sie sich möglichst sinnvoll aufeinander beziehen. Die intelligenteste Verknüpfung bringt die größte Aufmerksamkeit und Resonanz, und beides will ein Unternehmen ja erreichen. Idealerweise steht der Corporate Blog im Zentrum der gesamten Unternehmenskommunikation.

Was ist seine genaue Funktion? In Ihrer Arbeit benutzen sie das Bild von der Erde, um die Satelliten kreisen.

Hensel Der gesamte originäre Content befindet sich auf dem selbst gehosteten Corporate Blog, der es dem Betreiber ermöglicht, eine von anderen Plattformen unabhängige eigene Community aufzubauen. So kann sich der Blog mit seinen über Suchmaschinen gut auffindbaren Themen nachhaltig positionieren. Bei Facebook wird man nur über den Namen des Unternehmens, nicht aber über die Themen aufgefunden.

Corporate Blogs verlangen einiges an Manpower und eine intensivere Bestückung mit qualitativem Input als eine Facebooksite. Was ist der Lohn dieser Anstrengungen für das Unternehmen?

Hensel Ein Corporate Blog stellt eine Konstante im wechselhaften Umfeld von Social Media dar. Ein selbst gehosteter Corporate Blog ist unabhängig, das Unternehmen behält sämtliche Rechte an den eigenen Inhalten und die Kontrolle über deren weitere Verwendung. Zudem hat man völlig freie Gestaltungsmöglichkeiten, das Corporate Design kann beliebig eingesetzt werden. Die Inhalte sind editierbar, uneingeschränkt teilbar, exportierbar und durchsuchbar. Außerdem sind sie für jeden Besucher öffentlich, also auch für jene, die nicht in einer Community, etwa bei Facebook, Mitglied sind.

Durch den Social-Media-Hype sind Corporate Blogs ein bisschen in die Defensive geraten. Rechnen Sie mit einer Renaissance der Unternehmensblogs?

Hensel Ich finde, es gibt einen Trend zu immer mehr kleinen, spezialisierten Social-Media-Networks, zum Beispiel zu Instagram und Pinterest, was optische Dinge angeht, oder zu so etwas wie der Präsentationsplattform Slideshare. Sie alle verfügen über ihre eigenen Communities.  Dies führt zu einer gewissen Unübersichtlichkeit. Da sehe ich Corporate Blogs als ein probates Mittel, die ganzen über die verschiedenen Plattformen verstreuten Inhalte an einem Ort wieder zusammenzuführen. Aus diesem Grund werden Corporate Blogs meiner Meinung nach wieder an Bedeutung gewinnen.